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Vorwort
Wir haben Kaya Yanar so richtig vermisst. War doch „Was guckst du“ im TV ein richtiges Ritual für uns. Er gastierte mit seinem neuen Bühnenprogramm „Made in Germany" direkt vor unserer Haustür; also nix wie hin.
Die Veranstaltung sollte im Kunstwerk Mönchengladbach / Wickrath stattfinden, was es auch tat. Meine Freude war im Vorfeld wie gesagt schon enorm gewesen. Erhofft hatte ich mir aber viel früher einen unkomplizierten Kontakt, den ich versuchte schon Wochen vorher aufzunehmen. Ja, vielleicht war ich etwas zu blauäugig, mag sein, denn wer bin ich denn schon, dass man eine Antwort bekommt, wenn ich ein Kontaktformular auf der offiziellen Homepage komplett ausfüllte und nur freundlich etwas fragen wollte. Jedenfalls kam gar nichts, muss aber auch fairerweise einräumen, dass es bei anderen Künstlern und "Nicht-Künstlern“ genauso ist.
Die Vorstellung technischer Art entlockte mir doch hier und da ein müdes bis verärgertes Lächeln. Verbote und Vorschriften wo man hinsieht oder eben nicht sieht.
Bitte keine Fotos!
Aha. Gut. Aber bitte... warum sagt man das nicht auch kurz vor der Vorstellung dabei? Es wurde ja auch über Lautsprecher gesagt, dass man sein Handy abzuschalten hat ect.
Und die, die es dann doch getan haben? Die wurden gemahnt oder sogar die Cam abgenommen. Hmm.. da ich das ja wusste nachdem ich mich bei der Security erkundigt hatte, warum blitze es dann andauernd? Aha.. wahrscheinlich ein Pressemensch.. der darf das und es stört ja keinen. Doch, mich hat es gestört! Okay.. ich fühlte mich verarscht.
Gut dachte ich nämlich noch vor der Vorstellung. Versuchst du halt den Manager ausfindig zu machen und fragst du einfach mal nach. Das tat ich dann auch und fragte nach. Kurze Antwort: Keine Chance ein Foto zu bekommen (wer bin ich denn schon?)! Also, sorry, dass ich euch nichts dergleichen bieten kann. Aber niemand kann behaupten, dass ich es nicht wirklich versucht habe. Kann also nur ein paar lächerliche Bilder anbieten, die ich dann draußen oder außerhalb der Darbietung gemacht habe.
Kunstwerk Wickrath
Der Künstler bittet während der Vorstellung nicht zu rauchen.
Kann ich verstehen! Nur, dass diejenigen, die Rauchen „müssen“, im Vorraum das tun oder sogar weiter hinaus. Man kann sich nicht vorstellen wie die Luft ist, wenn man dann neu rein kommt.
Sitze
Eine Zumutung! Eintrittspreis: 25 Euro und ich sitze von 20-23 Uhr auf einer Art Campingklappstuhl. Ich habe mich außen gesetzt, damit ich mich wenigstens nicht durch die engen Reihen quetschen muss.
Kaya Yanar in Action
Nun aber zu Kaya! Fast jeder kennt ihn. So musste ich mir es abschminken, dass es so ähnlich „gemütlich“ und mit einer gewissen Nähe zum Künstler ablaufen würde wie in einer Kleinkunstvorstellung. Kaya ist eben Kaya. Der quirlige Deutsch-Türke, der es drauf hat aus jeder Situation etwas zu machen und einfach nach Belieben zu improvisieren. Dabei schüttelt er einzelne Figuren aus dem Ärmel, die man allein von der Stimme erkennt. Wie da wären Ranjid, Francesco und natürlich Hakan mit seinem "Dönerdeutsch". Auch ohne Maske schlüpft er mühelos in die verschiedenen Rollen.
Kaya Yanar, selbst „Made in Germany“, bleibt seiner Multikulti-Masche treu, nutzt voll die Klischees über Landsmannschaften und belustigt sich mit seiner so typischen Mimik und Gestik über Mentalitäten und Kulturen. Dabei greift er sich, wie immer, häufig an sein äh, „Gemächt“. Dem Publikum gefällt`s.
Da Kaya ja nun die „fette Kohle“ gemacht hat, kann er sich ein, von Mama genähtes, Bühnenbild leisten und hat nun auch keine Fernsehauftritte mehr nötig.
Die zentralen Fragen der Show lauten: Was ist typisch Deutsch? Woher stammen die Deutschen? Dabei versetzt er uns 2000 Jahre zurück, in die Zeit der Germanen, die ja Barbaren waren und von „den Römern (USA der Antike) zivilisiert wurden“.
Wir werden über die Wirkung der Sprache aufgeklärt und jetzt ist Kaya wirklich in seinem Element: der Niederländer hat keine Chancen bei Frauen, weil sein Dialekt nicht erotisch sondern äußerst „niedlich“ klingt. Die Kroaten haben alle Vokale aus ihrer Sprache verbannt und sollten sich bei den Türken mit „ü`s“ bedienen. Kayas Türkisch, eine „ Sprache mit ü`s“, hört sich für den Laien sogar echt an, obwohl er es ja nach seinen eigenen Angaben nicht kann. Dafür entschuldigt sich Kaya gerne bei den „Landsleuten“. Und das erste Treffen eines Türken mit einem Sachsen nach der Wende amüsiert das Publikum köstlich (Güten toaach! Ehh.. isch war zuerst hier!).
Zu Hochform läuft er auf, wenn er Anekdoten aus seiner Kindheit und Jugend vorspielt z.B. Streitereien mit seinem griechischen Freund im Schulbus.
Zum Schluss landet er wieder beim Urtyp des Germanen, der beim Autofahren wieder zum Barbaren wird.
Die beiden Stunden, in denen er das Publikum amüsant über die Menschheit aufgeklärt hat, waren recht schnell vorbei. Er war spontan, bezog die Zuschauer mit ein, überzeugte mit seinem Improvisationstalent und konnte so manches Mal über sich selber lachen. Hier und da fiel es uns aber schwer seinen Gedankensprüngen zu folgen.
Kayar Yanars Zugabe, ein Ausblick auf die Zukunft, in der sich die Völker vermischen, birgt eine Menge Ideen für neue Bühnenprogramme. Das macht neugierig!
Unterm Strich kann gesagt werden, dass es ein netter amüsanter Abend war. Leider nicht mehr und nicht weniger.
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