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Heute
Eigentlich möchte ich hier nicht so sehr darüber berichten oder gar informieren wie man in die Türkei kommt, sondern eher über meine damaligen Erlebnisse und Eindrücke, die ich als Kind/Jugendlicher empfand. Trotzdem vorweg: Am einfachsten in die Türkei zu kommen bleibt es mit dem Flugzeug. Das ist von sämtlichen Flughäfen aus Deutschland möglich und dauert z.B. von Düsseldorf nach Istanbul nur 2,5 Stunden, knappe 3 Stunden nach Izmir. Aber wenn man eine große Familie und ein entsprechendes Fahrzeug hat, dann lohnt auch mal ein Blick in die Preisliste und Fahrpläne der Fähren die bis dort hin angeboten werden.
Die Reise beginnt von Italien aus (z.b Brindisi, Ancona) und endet entweder auf dem griechischen Festland (z.B. Igoumenitsa, Piräus, Patras) oder auch direkt in Cesme (Ägäis/ West Türkei). Es muss jeder für sich entscheiden was einem besser liegt. Dafür sprechen eigentlich nur das recht ausgeruhte Ankommen in der Türkei, dass man ein Auto vor Ort hat und sich so die Mietwagenkosten sparen. Dagegen ist die Zeit die man braucht recht lang, die Hinfahrt nach Italien ist auch nicht gerade ein Vergnügen. Schon mein Erlebnis 2002 mit der Fähre gelesen? Selbst für diejenigen die mal mit dem Motorrad runterfahren möchten (was ich seit vielen Jahren vorhabe), wäre es zu überlegen. Denn eine echte Alternative zu den Fähren, bietet der Autozug von Juni - Oktober in Villach, Österreich. Allerdings müsste man an der Endstation (Edirne) je nachdem wo man hin möchte, eine etwas weitere Strecke zu fahren in Kauf nehmen. Das muss aber auch nicht schlimm sein, das Gegenteil ist eher der Fall, wenn man eh vor hatte eine Rundreise durch die Türkei zu machen. Für die Einreise mit dem Auto in die Türkei wird der Reisepass benötigt, in den das Fahrzeug eingetragen wird.
Damals
Ganz so einfach ging es damals während meiner Kinder- und Jugendzeit nicht. Ich erinnere mich noch recht gut daran, dass wir am Abend vor der Abfahrt sehr früh ins Bett mussten um am nächsten Morgen bzw. nachts um 3 wieder aufzustehen. Das Auto war schon am Tag zuvor, inklusive des obligatorischen Dachgepäckträgers, voll gepackt worden. Auch die Verpflegung für unterwegs war am Tag zuvor vorbereitet worden. Es handelte sich dabei um eher Haltbares wie "Köfte"(Frikadellen), Pide, gebratene Paprika, Käse, Brot usw. Der Camping-Kocher war sehr wichtig. Nur durch ihn war es ja möglich unseren "Cay" auch unterwegs zu bekommen.
Für mich war es immer sehr aufregend und abenteuerlich, endlich unterwegs zu sein, um die Welt zu sehen. Die Fahrt ging wie üblich Richtung Würzburg – München, über die Grenze nach Österreich, von Salzburg über Linz nach Graz. Österreich gefiel mir damals sehr. Alles war so schön grün und sauber, aber auch sehr teuer (zumindest für den Transitverkehr). Schade nur, dass sie so schlecht unsere (deutsche) Sprache sprechen, dachte ich mir damals. Das Schild Maribor zeigte uns bald an: Nicht mehr lange und wir sind in (ehemals) Jugoslawien! Das bedeutete, dass es jetzt "ernst" wurde. Die Strecke durch Jugoslawien war sehr unbeliebt unter den "Transit-Türken". Daran waren sie aber häufig selber mitschuldig, denn es ereigneten sich fast täglich Unfälle, die einfach wegen zu schnellen Fahrens, riskantem Überholmanöver oder einfach durch Übermüdung hervorgerufen wurden. Ich habe sehr viele Unfälle gesehen, wo Schwerverletzte noch am Straßenrand mit ihren Habseligkeiten lagen. Kurz: Man sollte schon ein erfahrener Autofahrer sein um unbeschadet diese Strecke zu überstehen.
Die typische Strecke verlief über Zagreb - Belgrad - Nis - Sofia (Bulgarien), wobei Zagreb - Belgrad die schlimmste war. Dafür brauchte man fast einen ganzen Tag, da es ja noch keine Autobahnen gab. Man konnte an Tankstellen nicht mit Geld bezahlen sondern ausschließlich mit Tank-Coupons, die man vom ADAC bekommen konnte. Dumm nur, dass man an fast jeder Tankstelle "beschissen" wurde. Der Tankwart, dem man wie immer "voll" zu verstehen gab, nahm vorab die Gutscheine und tankte halbvoll, um sofort danach den Hebel der Zapfsäule zu drücken, damit man nicht mehr sehen und nachweisen konnte, wie viel Liter es waren! Naja, man musste aber, weil man nicht in Bulgarien tanken wollte. Die Strecke schaffte man ohne Tankstopp bis in die Türkei. Die Grenzen in Bulgarien waren sehr unangenehm. Wer nicht wusste, wie es ablief, der verbrachte sehr viele Stunden an der Grenze. Die Zauberwörter waren: Schokolade, Zigaretten und vor allem "Coca-Cola". Aber auch sehr beliebt: Feuerzeuge, Strumpfhosen und sehr gerne, wenn nichts anderes da war, Bananen! Kurzum, alles was westlich war. Und Sie konnten gierig sein. Im Dunkeln alleine ohne einen Konvoi zu bilden, über bulgarische Landstrassen zu fahren, war etwas gewagt. Es konnte schon mal sein, dass man vermeintlichen Polizisten mitten an einer leeren Straßenkreuzung wieder "leva´s" (bulgarische Währung) für zu schnelles Fahren oder ähnliches bezahlen musste. Natürlich ist man dort kaum zu schnell gefahren!
Aber auch das galt es zu überstehen bis man endlich die türkische Grenze Kapikule erreicht hatte. Auch wenn die stundenlangen Laufereien um irgendwelche Papiere sehr genervt haben. Der krönende Abschluss war dann, dass man mit Sack und Pack in dieser Einfahrt zur letzten Fahrzeugkontrolle stand. Hier hieß es Nerven bewahren. Auf die Frage des "fleißigen", auf einem Stuhl vor einem kleinen Tischlein sitzenden Grenzbeamten: "Etwas zu verzollen?" antwortete man natürlich mit "yok!". Man dachte dabei natürlich sofort an den kleinen Farbfernseher auf dem Dachgepäckträger. Aber das zu verzollen war idiotisch, denn der Preis war fast astronomisch hoch. Also auf sein anschließendes Verlangen nach den Reisepässen sollte sich in diesem Moment ein 100- Mark-Schein zufällig in einen der Pässe verirren. Das war´s, kein komplettes Abladen der Gepäckstücke mehr nötig. Wir waren da!
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